Schonender und präziser - Medizin Alb-Fils-Kliniken stellen neuen Operationsroboter „Da Vinci“ vor. Landkreis und Klinik investieren zwei Millionen in künstliche Intelligenz. Von Annerose Fischer-Bucher

Großer Bahnhof für „Da Vinci“: Geschäftsführung und Mediziner der Alb-Fils-Kliniken stellten den neuen Operationsroboter, der vieles besser kann als die Vorgängermodelle, der Öffentlichkeit vor.

Er kann vieles besser als die Vorgängermodelle. Das machten die Vertreter der Alb-Fils-Kliniken bei der Vorstellung des Roboters deutlich: Er kann jetzt noch präziser, tiefer, schichtgerecht, zitterfrei, sehr fein, aber auch mit großer Kraft, mithilfe kleinster Öffnungen und nahezu komplikationslos im menschlichen Körper operieren. Seinen Namen hat „Da Vinci“ vom berühmten Maler bekommen, der schon im 15. Jahrhundert Zeichnungen von Seilzügen für einen Ritterautomaten angefertigt hat, die auch als Anfänge der Kerntechnologie für den OP-Roboter gelten. Ermöglicht wird dies dadurch, dass der Roboter feinste Hand- und Fingerbewegungen des Operateurs, der an einer Konsole sitzt, millimetergenau ausführt und auf die Operationsinstrumente überträgt.

Der Operateur sitzt an der Bedienungskonsole und betätigt mittels eines Joysticks die feinen und sehr beweglichen Arme und „Hände“ des Roboters, während ein weiterer Chirurg am Patienten die Instrumente und Kameras einführt und austauscht. Aufgrund der zehnfachen hochauflösenden Kamera und der großen Bildschirme mit 3D-Optik kann das Körperinnere von allen Seiten gut eingesehen werden, was so bislang nicht möglich war. Folglich kann noch genauer und damit effektiver und schonender von allen Seiten her operiert werden.

Der Roboter macht es
nicht allein, man
muss es schon
auch können.

Dr. Matthias Hahn
Chefarzt Allgemeinchirurgie Geislingen

Der Roboter kommt bisher in der Allgemein- und Viszeralchirurgie (Bauchraum mit Dickdarm- oder Mastdarmkarzinomen), in der Urologie (nerverhaltend und potenzschonend bei Prostata, bei Nieren, Harnleiter und Blase), in der Gynäkologie (bei gutartigen und malignen Erkrankungen wie Endometriose oder Krebs) und in der Thoraxchirurgie (Lunge, Zwerchfell) zum Einsatz.

Professor Rainer Küfer bezeichnete den Roboterbegriff als falsch. Es sei zutreffender, von einem „laparaskopischen Helfer des Operateurs“ zu sprechen, der die bisherige Laparaskopie (Bauchspiegelung) mit quasi starrer Hand enorm verbessere. Mit diesem OP-System könne man Myome oder Gebärmutter filigraner entfernen und Lymphknoten besser operieren, weil sie für den Roboter besser erkennbar seien, so Doktor Falk Thiel.

Der große Vorteil liege in einem geringeren Risiko für Wundheilungsstörungen, in weniger Schmerzen durch kleinere Narben, in einer schnelleren Mobilisierung des Patienten und damit auch in einer kürzeren Verweildauer in der Klinik, sagte der medizinische Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken, Doktor Ingo Hüttner, beim Pressegespräch. Er bezeichnete „Da Vinci“, der anschaulich vorgestellt wurde, als „wesentliche strategische Weichenstellung“ im Operationsverfahren mit neuester Technik. Die Chirurgie werde digital. Wolfgang Schmid, kaufmännischer Leiter der Kliniken, sprach von einer Investition in die Zukunft, mit der man zusätzliches gutes Personal gewinnen könne und damit eine positive Sogwirkung entfalte. Obwohl kurzfristig defizitär, werde sich der Roboter mittelfristig rechnen, denn die Technik sei nicht aufzuhalten. Die Kosten von zwei Millionen würden zur Hälfte vom Landkreis und zur anderen Hälfte durch Darlehen finanziert. Aufsichtsrat und Klinik hätten gemeinsam entschieden, dass „wir in künstliche Intelligenz investieren müssen und den Zug nicht verpassen dürfen“.

Jetzt schon werde eine zweite Generation von Operateuren herangezogen und die ersten erfolgreichen Robotereingriffe hätten Operateure wie Patienten begeistert, so Hüttner. Mit Doktor Johannes Müller, der mit dem System bereits an den Unikliniken in Ulm und Münster gearbeitet und Erfahrung mit 2000 roboter-assistierten Operationen hat, habe man einen ausgewiesenen Experten für die Klinik am Eichert gewinnen können. Dort wurde der 12. Operationssaal als fixer Saal mit einem genauen Plan durch OP-Manager Schubert für diese OP-Technik aus Eigenmitteln der Klinik ertüchtigt. Müller berichtete detailliert aus seinem Erfahrungsschatz. Die Technik werde in den Hauptfeldern allen Patienten angeboten und man gehe von etwa 150 Eingriffen pro Jahr mit diesem „ausgeklügelten digitalen Simulationssystem“ aus.

Neue Technik erläutert

Beteiligte Beim Pressegespräch mit Geschäftsführung und Ärzten der Göppinger Alb-Fils-Kliniken waren beteiligt: Professor Dr. Rainer Küfer (Chefarzt Urologische Klinik), Dr. Johannes Müller (Leiter robotische Urologie), Dr. Matthias Hahn (Chefarzt Urologie, Helfenstein-Klinik), Privatdozent Dr. Falk Thiel (Chefarzt Frauenklinik), Dr. Bernhard Keim (Leitender Arzt, Thoraxchirurgie), Gösta Schubert (OP-Manager), Dr. Ingo Hüttner (medizinischer Geschäftsführer), Wolfgang Schmid (kaufmännischer Geschäftsführer).

 

Zurück