Gemein und chronisch, aber gutartig - Gesundheit - Drei Referenten sprachen beim Klinik-Dialog über Endometriose. Die gutartigen Wucherungen können Frauen starke Schmerzen bereiten und zu Kinderlosigkeit führen. Von Annerose Fischer-Bucher

Ganz wenig kann ganz viel Schmerzen bereiten und viel davon kann wenig oder gar nichts auslösen“, sagte der Chefarzt der Frauenklinik und Privatdozent Dr. Falk Thiel beim gut besuchten Klinikdialog zum Thema „Endometriose“. Nach Schätzungen leiden in Deutschland zwischen 2 bis 6 Millionen Frauen mit jährlich etwa 30 000 Neuerkrankungen an den Symptomen wie starken Regelschmerzen, die Alltag und Beruf beeinträchtigen, was oft verharmlost werde.


Dahinter könne sich aber eine Endometriose verstecken, die zu heftigen Schmerzen im Unterbauch bei der Menstruation, beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder Wasserlassen führe. Die Folge seien Entzündungsreaktionen, die Bildung von Zysten und die Entstehung von Vernarbungen und Verwachsungen. Außerdem sei Endometriose häufig eine Ursache von Unfruchtbarkeit. Ein Gewebe, das dem der Gebärmutterschleimhaut (= Endometrium) ähnelt, tritt dabei im Unterleib auf und kann sich an den Eierstöcken, den Eileitern, am Darm, der Blase oder um den Harnleiter mauerartig ansiedeln oder in der Muskulatur der Gebärmutter auftreten.


Die Ursachen dieser komplexen chronischen, gutartigen Erkrankung seien bis heute ungeklärt. Man nehme aber an, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt. Es gebe auch Herde ohne Krankheitswert. Thiel zeigte Video-Aufnahmen von Behandlungen wie beispielsweise eine Bauchspiegelung oder die Entfernung des harten Gewebes um einen Harnleiter mittels einer Operation. Für die Diagnose brauche es eine Untersuchung durch die Scheide und den After. Diagnose-Sicherheit ergebe jedoch nur eine Bauchspiegelung (Laparaskopie), die unter Narkose durchgeführt werde und ein operativer Eingriff sei, bei dem Gewebeproben entnommen würden.


Ausführlich ging der Chefarzt der Frauenklinik am Eichert auf mögliche Therapien ein wie Schmerztherapie, Operation, medikamentöse Therapie und Hormontherapie zur Verhinderung des Schleimhautaufbaus, die unter anderem Wechseljahre auslösen, jedoch auch einen großen Eingriff darstellen und in die Schwangerschaftsentstehung eingreifen. Studien im Vergleich der einzelnen Verfahren in Wirksamkeit und Nebenwirkungen wurden angesprochen.


Thiel wies darauf hin, dass es in der Klinik am Eichert ein zertifiziertes Endometriose-Zentrum gebe, wo jede Patientin ein individuelles Therapieangebot bekommen könne.


Dr. Marius Albowitz vom Kinderwunschzentrum Esslingen sagte, dass eine Operation keine gute Idee bei Frauen mit Kinderwunsch sei. Er ging darauf ein, wie und inwieweit eine Endometriose mit giftigen Stoffwechselprodukten den Kinderwunsch beeinträchtigen könne, und zeigte Möglichkeiten auf, diesem auf die Sprünge zu helfen.


Dr. Elisabeth Rabanus, Chef-Gynäkologin an den Städtischen Reha-Kliniken Bad Waldsee, besprach die vielfältigen Möglichkeiten einer Reha nach einer Erkrankung. Ziel sei es, bei den betroffenen Frauen die Einschränkungen der Lebensqualität zu vermindern und wieder die Freude am Leben zu wecken.

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