Musikschule sucht Spieler für besondere Instrumente - Lehrerin Eva Maria Bredl erklärt ihrer Schülerin Pia Gerhardt die „Magie“ des Harfespielens an der Göppinger Jugendmusikschule / Annerose Fischer-Bucher 29.06.2018

Eigentlich ist jedes Instrument ein ganz besonderes. Allerdings gibt es in einem Orchester bestimmte Anforderungen, um Konzertstücke spielen zu können. So benötigt man etwa Geigen in größerer Zahl ebenso wie Bratschen, Celli oder Kontrabässe. Bei den Holzbläsern wie den Oboen oder Fagotti treten sie paarweise in Erscheinung, bei den Blechbläsern wie der Tuba oder dem Euphonium oft nur einzeln, bei den Hörnern sind sie manchmal zu dritt oder zu viert, bei den Posaunen können es je nach Komponist auch mehr sein.

Die Harfe ist ebenfalls ein ganz besonderes Instrument und wurde vor allem von französischen impressionistischen Komponisten eingesetzt, die selber Harfenisten waren. Sie ist in vielen Kompositionen des 19. und 20. Jahrhunderts gefordert, so etwa bei Richard Strauss oder Richard Wagner, der sie in seinem „Ring“ mit bis zu sechs Harfen eingebaut hat. Auch im letzten Konzert des Jugendsinfonie Orchesters (JSO) wurde die Harfe gebraucht und auch sie gehört zu den Mangelinstrumenten.

Die Göppinger Jugendmusikschule (JMS) bietet deshalb samstags regelmäßige Informationen zu Instrumenten an, auch um ihren Nachwuchs zu sichern. Schließlich ist das Göppinger JSO ein international gefragtes Ensemble mit hoher Leistung, das sein Niveau halten möchte. „Die Jugendmusikschule möchte mehr Kinder und Jugendliche ermuntern, auch ein Mangelinstrument zu erlernen“, sagt Stadtmusikdirektor Martin Gunkel. Ein früher Einstieg unter qualifizierter Anleitung sei enorm wichtig und es werde neben dem regulären Instrumentalunterricht auch das frühe Zusammenspiel in kleinen Gruppen oder Orchestern gefördert.

Eva Maria Bredl unterrichtet seit sechs Jahren an der JMS Harfe. Wenn sie von ihrem Instrument erzählt, kommt sie ins Schwärmen. Zuhause hat sie eine Konzertharfe stehen und zwei ihrer Schüler spielen ebenfalls auf der großen Konzertharfe im JSO, aber zunächst lernen die Schüler auf der kleineren Hakenharfe, die man als die sogenannte „Irische Harfe“ kennt. Mozart etwa hat sein Konzert für Flöte und Harfe für den Typus Einfach-Pedal-Harfe komponiert, die 1750 erfunden wurde. Dazu muss man wissen, dass die Konzertharfe durch ihre 7 Pedale die Möglichkeit bietet, jeden Ton der Tonleiter um zwei Mal einen halben Ton zu erhöhen, während die Einfach-Pedal-Harfe jeden Ton nur ein Mal erhöhen kann. Wenn Bredl über die Geschichte der Harfe spricht, ist sie fast nicht zu bremsen. Schon 4000 vor Christus habe es die Harfe als eines der ältesten Instrumente in Ägypten gegeben. Sie hatte vor allem eine magische, kultische und spirituelle Funktion und kommt in allen Kulturen in verschiedenen Formen vor. Auch in unserer Kultur des Mittelalters war sie präsent und wurde als Begleitinstrument von männlichen Troubadouren, die von Hof zu Hof zogen, eingesetzt. Und auch heute spielen wieder vermehrt Männer eine Harfe wie der Star Xavier de Maistre, obwohl sie lange Zeit als Fraueninstrument galt.

Eva Maria Bredl verwendet im Unterricht die Hakenharfe und achtet sehr auf eine gesunde und entspannte Körperhaltung. Am Anfang sei es angebracht, eine Harfe zu leihen.

Schon ab der ersten Stunde könne man lernen, eine Melodie zu zupfen. Man orientiere sich dabei an allen C-Saiten mit roter Farbe und allen F-Saiten mit schwarzer Farbe. Wenn man daheim regelmäßig übe, mache die Harfe immer mehr Spaß. So, wie es von Marie-Antoinette überliefert ist, der Tochter von Kaiserin Maria Theresia und französischen Königin: „Ich übe täglich auf meiner lieben Harfe.“

„Tag der Musik“ auf dem Schlossplatz

Unterricht Eva Maria Bredl hat an der Musikhochschule Stuttgart Harfe studiert. Durch ihr Engagement an den Opernhäusern in Kiel, Lübeck und Oldenburg hat sie Orchestererfahrung, spielt aber auch Kammermusik. Seit sechs Jahren unterrichtet sie an der Göppinger Jugendmusikschule.

Open Air Am 8. Juli spielt das Ensemble „Harpe diem“ mit über 20 Harfen am „Tag der Musik“ auf dem Göppinger Schlossplatz. Danach tritt das
Ensemble „Jazzico“ der Jugendmusikschule auf.

 

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