Großer Gestus für Venedig Jugendmusikschule Das Göppinger Jugendsinfonieorchester brillierte beim Jahreshauptkonzert in der Stadthalle mit einem breiten Programm-Spektrum. Von Annerose Fischer-Bucher/NWZ

Ihre Konzertreife haben die 100 jungen Musiker des Jugendsinfonieorchesters Göppingen mit ihrem Dirigenten, Stadtmusikdirektor Martin Gunkel, erneut brillant unter Beweis gestellt. Bei ihrem Jahreshauptkonzert in der gut gefüllten Göppinger Stadthalle spielten sie das breite Programm-Spektrum, das sie in den Pfingstferien beim „Venezia Music Festival“ in der Basilica dei Santi Giovanni e Paolo in Venedig wohl vorbereitet aufführen werden.


Das Göppinger Orchester hat nicht umsonst auch schon in der Carnegie Hall in New York oder im Goldenen Saal des Musikvereins Wien musizieren dürfen und ist inzwischen ein international gefragtes Ensemble. Und so vergisst man in weiten Teilen ihrer Konzerte, dass es sich nicht etwa um ein Profi-Orchester, sondern um junge Leute handelt, die zwar eine gute Ausbildung genießen, jedoch (noch) keine Profi-Musiker sind.


In weiten Bögen


Ein großer Gestus zeichnete das Musizieren des Ensembles in der Stadthalle aus, welches bekannte Perlen der Orchesterliteratur vorwiegend aus dem 18. und 19 Jahrhundert aufführte. Bei Edvard Elgars „Nimrod“ aus den Enigma-Variationen des Engländers war dies am deutlichsten spürbar, so dass es naheliegend war, dies als Zugabe nochmals zu musizieren. An Filmmusik erinnernd spielten die Streicher das Thema nicht etwa rätselhaft, was die Bedeutung von Enigma ist, sondern steuerten in weiten Bögen und in magisch-leuchtenden Momenten auf den dynamischen Höhepunkt zu.


Zuvor war Antonin Dvoráks Slawischer Tanz Nummer 8 quasi der fulminante Rausschmeißer gewesen, der das Publikum zu Bravo-Rufen und großem Beifall animiert hatte. Ein Höhepunkt war jedoch auch die Ballettmusik zur Oper „Faust“ von Charles Gounod, bei dem das Orchester in den einzelnen Sätzen ganz in den verschiedenen Satz-Stimmungen aufging.


Und es erwies sich als ein einfühlsamer Partner in der Violinromanze F-Dur von Ludwig van Beethoven, die der 17-jährige Solist Jakob Kammerlander spielte. Zunächst etwas verhalten in Ton und Ausdruck konnte er sich dann immer mehr freispielen und die Kantilenen des Themas schön, aber unaufdringlich präsentieren. Eine Klasse weiter gelang dem jungen Mitglied des Bundesjugendorchesters das Adagio aus der Bachschen Solosonate Nummer 1, g-Moll. So schnörkellos, wie er sie mit nur dem Wort „Bach“ angekündigt hatte, spielte er sie, darum aber umso eindringlicher.


Dass die technischen Schwierigkeiten wie bei Felix Mendelssohn Bartholdys Italienischer Sinfonie im 1. Satz gemeistert wurden, dass Schuberts Rosamunde-Ausschnitt und das „Intermezzo aus Tausend und eine Nacht“ von Johann Strauss große Gestik ausstrahlten und Wiener Flair einfingen, dass die mächtige und „Festliche Ouvertüre A-Dur, opus 96“ von Schostakowitsch von 1954 mit den Blechbläserfanfaren und mit der virtuosen Melodie der Holzbläser so gut gelang – das war das Verdienst von Martin Gunkel, der das Orchester mit großer Musikalität und Präzision geführt hat.


Dass die jungen Leute viele zusätzliche Proben gerne absolviert hätten, wie in der Begrüßung von Martin Gunkel erwähnt, sei auch das Verdienst der Musiklehrer der Göppinger Jugendmusikschule. Deswegen am Ende unter viel Beifall Blumen für den Dirigenten und seinen Stellvertreter Thomas Müller.

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